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Was ist Bitcoin? - Teil 1: Rückblick auf die Geldgeschichte

Auf die Frage "Was ist Bitcoin?" gibt es viele Antworten. Je nach individuellem Hintergrund kann der Zugang zum Thema Bitcoin und somit auch die Beantwortung der Frage variieren. Technisch versierte Personen werden die Frage eher technisch beantworten und erläutern, was Blockchain- und Peer-to-Peer-Technologie ist, wie das Mining oder die Kryptographie funktionieren. Mit einem wirtschaftlichen Hintergrund wird man Bitcoin aus ökonomischer bzw. geldtheoretischer Perspektive erklären. Aus physikalischer Sicht könnte Bitcoin im übertragenen Sinne als Energie definiert und aufgezeigt werden, warum der Energiebedarf von Bitcoin kein Makel, sondern eine Besonderheit darstellt. Selbst aus philosophischer Perspektive lassen sich Antworten auf die Frage "Was ist Bitcoin?" finden, indem Bitcoin z. B. als das knappste Gut der Welt beschrieben wird, welches in seinen Grundeigenschaften für alle Zeit unveränderbar ist und daher einen idealen Maßstab zur Bemessung von Werten darstellt.

Wer sich für die verschiedenen Blickwinkel auf das Thema Bitcoin interessiert, findet hierzu z. B. in dem Buch "21 Lektionen - Meine Reise in den Bitcoin Kaninchenbau" spannende Ausführungen.


Fundamental für das Verständnis ist die Beantwortung der Frage "Was ist Bitcoin?" aus ökonomischer Sicht, denn Bitcoin löst ein Problem ökonomischer Natur und zwar eines der ältesten Probleme der Menschheit. Um Bitcoin also als Lösung verstehen zu können, ist es erforderlich, zunächst das Problem zu begreifen. Hierfür ist ein Blick in die Geschichte notwendig, genauer gesagt in die Geldgeschichte.



Geld stellt das Fundament einer jeden Gesellschaft dar. Es entstand vor über 10.000 Jahren, als der Mensch sesshaft wurde und vom Jagen und Sammeln auf Landwirtschaft und Viehzucht umstellte. Die Menschen begannen, arbeitsteilig zu produzieren und Waren miteinander zu tauschen. Der Tauschhandel entstand und Gesellschaften vergrößerten sich. Wachsende Gesellschaften gingen mit komplexeren Handelssystemen einher. Es wurde immer ineffizienter, Waren direkt miteinander zu tauschen, sodass die Menschen innerhalb einer Gesellschaft dazu übergingen, die Waren indirekt über ein Tauschmittel miteinander zu handeln. Als Tauschmittel wurde dabei eine Ware gewählt, die sich besonders gut eintauschen ließ und nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stand, wie z. B. Salz oder Muscheln. Der begrenzte Umfang bzw. die Knappheit der Ware spielt hierbei eine tragende Rolle, denn eine Ware, die in beliebigem Umfang zur Verfügung steht oder mit einfachsten Mitteln hergestellt werden kann, bietet keine stabile Grundlage für wirtschaftliche Transaktionen. Man stelle sich beispielsweise vor, dass ein in der Sahara lebendes Volk Sand als Tauschmittel akzeptieren würde. Innerhalb kürzester Zeit würde dieses System zusammenbrechen, da die Menschen praktisch unbegrenzten Zugang zu Sand haben und das Tauschmittel sofort völlig wertlos wäre.

Knappe bzw. seltene Waren stellten die ersten Primitivgelder dar und waren die Grundlage für die menschliche Zivilisation. Heute ist Geld nicht mehr wegzudenken. Alle wesentlichen Transaktionen funktionieren mit Geld. Ohne Geld gäbe es keine Entwicklung und keine zivilisierte Gesellschaft mehr. Vor diesem Hintergrund sollte das Geld, welches wir benutzen, also das Fundament unserer Gesellschaft, möglichst stabil, fair und verlässlich sein.


Leider war es in der Menschheitsgeschichte bisher immer so, dass das Geld bzw. das Geldsystem früher oder später zusammenbrach, was grundsätzlich zu Wohlstandsverlusten und Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit vielen Toten führte. Egal, ob wir tausende von Jahren zurückblicken, als beispielsweise Primitivgeldsysteme wie Salz oder Muscheln scheiterten, oder nur die letzten 100 Jahre betrachten, in denen so einige Geldsysteme bzw. Währungen kollabierten, wie z. B. die deutsche Mark im Jahr 1923 oder der argentinische Peso im Jahr 2002: Die Ursachen für die Zusammenbrüche sind im Kern immer die gleichen. Hierbei können die folgenden zwei Kernursachen für den Zusammenbruch von Geldsystemen festgestellt werden:


  1. Technologischer Fortschritt: Einige historische Geldsysteme sind aufgrund von technologischem Fortschritt kollabiert. In solchen Systemen führte technologische Entwicklung dazu, dass von dem ursprünglich knappen Geld plötzlich immer mehr geschaffen werden konnte. Das führte wiederum zu einem Überangebot von Geld und schließlich zum totalen Wertverlust des Geldes. Hierzu ein Beispiel: In Teilen Afrikas, Asiens und des Pazifiks wurden Kaurimuscheln aufgrund ihrer Schönheit, Haltbarkeit und vor allem Seltenheit über lange Zeit als Geld genutzt. Aufgrund der Entwicklung neuer Muschelgewinnungstechniken oder infolge des Kolonialismus nahm die Menge an Kaurimuscheln, also die Geldmenge, enorm zu. Das führte zu einer Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus (Inflation). Daraufhin verloren die Menschen das Vertrauen in das Geld und die schönen Kaurimuscheln wurden letztlich wertlos.

  2. Missbrauch des Geldes durch zentrale Machteliten Die zweite wesentliche Ursache für den Zusammenbruch bisheriger Geldsysteme sind zentrale Parteien, also z. B. Herrscher, Könige, Regierungen, die sich die Geldschöpfung aneigneten und sie früher oder später zu ihrem Vorteil und auf Kosten der Allgemeinheit manipulierten. Auch hierzu ein Blick in die Geschichte: Über Jahrtausende wurde Gold als Geld verwendet, wobei Könige oder Kaiser über die Münzprägung verfügten und damit die Macht über das Geld besaßen. Sobald die Herrscher über ihre Verhältnisse lebten und in finanzielle Engpässe gerieten, begannen sie, die Münzprägung zu manipulieren, indem sie die geprägten Goldmünzen mit anderen Metallen von geringerem Wert streckten. Es gab nun zwar genauso viel Gold wie vorher, aber deutlich mehr Münzen. Die Geldmenge wurde also ausgeweitet, und zwar zu Gunsten der Machtelite, welche die Münzprägung kontrollierte. Eine Zeit lang schienen die finanziellen Engpässe beseitigt zu sein. Allerdings wurden die Goldmünzen bei erneuten finanziellen Engpässen noch weiter gestreckt. Die Erhöhung der Geldmenge führte nach einiger Zeit immer zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus (Inflation). Sich anschließende finanzielle Engpässe wurden wiederum mit einer Ausweitung der Geldmenge, also der Goldmünzen, bekämpft, was abermals die Inflation vorantrieb. Je weiter dieses Spiel getrieben wurde, desto schlimmer wurde die Inflation bis schließlich das System kollabierte.


Die Geschichte zeigt, dass Geldsysteme nach einer bestimmten Zeit stets aufgrund vorangegangener Geldmengenausweitung und einer anschließenden Inflation zusammenbrachen. Dennoch wurde immer wieder nach einem Kollaps von einer zentralen Instanz ein neues Geldsystem eingeführt, das jedoch den alten Regeln folgte. Derselbe Fehler wurde also immer wieder aufs Neue gemacht.


Aufgrund seiner Eigenschaften wurde Gold über Jahrtausende immer wieder als Geld gewählt. Gold ist selten und extrem beständig gegen äußere Umwelteinflüsse. Außerdem ist es nicht einfach, neues Gold zu schürfen. Selbst heute mit modernsten Technologien beträgt die jährliche Fördermenge von Gold nur knapp 2% (des gesamten Goldbestands, Quelle: World Gold Council). Die bis heute weltweit geförderte Goldmenge beläuft sich je nach Quelle auf etwa 210.000 bis 250.000 Tonnen. Stellt man diese gesamte jemals geförderte Goldmenge als Würfel dar, ergibt sich ein Goldwürfel mit einer Kantenlänge von gerade einmal 22,2 m bis 23,5 m (siehe nachfolgende Abbildung). Diese bildliche Vorstellung verdeutlicht die Knappheit von Gold.


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Heute verwenden wir kein Gold mehr als Geld. Mit zunehmendem internationalem Handel wurde es immer schwieriger Transaktionen mit Gold abzuwickeln, da vor allem der Transport von Gold über weite Strecken mit hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden war. Daher ging man dazu über, das Gold in Tresoren einzulagern und für das eingelagerte Gold entsprechende Zertifikate auszustellen, welche bei Bedarf jederzeit in das Gold zurückgetauscht werden konnten. Die Goldzertifikate waren deutlich einfacher miteinander zu tauschen.


Die ersten staatlichen Zentralbanken wurden im 17. Jahrhundert gegründet, so z. B. die Bank of England im Jahr 1694. Die Deutsche Reichsbank wurde im Jahr 1876 und die heutzutage wichtigste Zentralbank, nämlich die US-amerikanische Zentralbank (Federal Reserve oder Fed genannt) im Jahr 1913 gegründet. Zentralbanken entstanden oft in Zeiten finanzieller Engpässe, um Staatsschulden (oft in Folge hoher Kriegskosten) zu finanzieren. Die Zentralisierung des Bankensystems erhöhte die Kontrollmöglichkeiten des Staates und gewährte dem Staat zudem eine neue Finanzierungsquelle. Die Goldbestände der Menschen wurden nun zentral eingelagert und die Goldzertifikate zentral ausgegeben. Hierbei wurde dem Zentralbankensystem zugebilligt, mehr Zertifikate auszugeben, als tatsächliches Gold in den Tresoren eingelagert war (Teilreservesystem). Der Staat konnte nun zur Finanzierung seiner Ausgaben über die Zentralbank neues Geld erstellen, welches nur noch zu einem bestimmten Grad mit Gold gedeckt war. Die Geldmenge wurde also über den Goldbestand hinaus ausgeweitet.

Hierzu ein kurzer Exkurs: Die Erhöhung der Geldmenge kommt dabei einer versteckten Steuer gleich, weil der Staat mit dem neu geschaffenen Geld seine Ausgaben bedienen kann, die Kaufkraft des Einzelnen jedoch herabgesetzt wird. In dem nachfolgenden Rechenbeispiel ist dies stark vereinfacht dargestellt. Man stelle sich vor, in einem System gibt es den Staat, Person A und Person B. Die Geldmenge beträgt zu Beginn 1.000 Einheiten. Davon verfügt der Staat über 970 Einheiten, Person A über 10 Einheiten und Person B über 20 Einheiten. Nun wird die Geldmenge um 100 Einheiten erhöht, wobei das neu geschaffene Geld für Staatsausgaben, z. B. zur Finanzierung eines Krieges verwendet wird. Während sich die Kaufkraft des Staates erhöht, sinkt die Kaufkraft der Personen A und B. Dies zeigt sich in Form eines Anstiegs des allgemeinen Preisniveaus (Inflation), der jedoch meist zeitversetzt und sukzessive auftritt. Das Rechenbeispiel ist stark vereinfacht, verdeutlicht jedoch den grundsätzlichen Mechanismus. Sicherlich spielt es eine Rolle, wofür der Staat das neu geschaffene Geld ausgibt. Die Geschichte zeigt aber deutlich, dass zentrale Parteien, die das Geldsystem kontrollieren, dazu geneigt sind, ineffiziente Ausgaben zu tätigen, z. B. in Form des Ausbaus des Verwaltungsapparats des Staates oder in Form von Rüstungsausgaben.


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Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg gab es den klassischen Goldstandard, eine Zeit, in der viele Währungen mit festen Wechselkursen an Gold gebunden waren und jederzeit in Gold umgetauscht werden konnten. Mit Beginn des ersten Weltkriegs fand der klassische Goldstandard ein Ende, denn Staaten benötigten Geld, um ihre Kriegskosten zu decken. Es wurde nun deutlich mehr Geld gedruckt und in Umlauf gebracht als es Goldreserven in den Tresoren gab. Wäre es den Staaten unmöglich gewesen, die Geldmenge willkürlich auszuweiten, hätten sie die Kriegsausgaben nur für eine relativ kurze Zeit finanzieren können, sodass der erste Weltkrieg wahrscheinlich früher beendet worden wäre.


Nach dem ersten Weltkrieg kehrten einige Staaten wieder zurück zum Goldstandard. Zum Teil wurden Währungen aber neben Gold auch mit anderen Währungsreserven gedeckt. Beispielsweise war der US-Dollar in der Zeit teilweise mit Gold hinterlegt, wohingegen das britische Pfund zum Teil mit Gold und teilweise mit dem teilgedeckten US-Dollar hinterlegt war. Weitere europäische Währungen waren wiederum mit Gold und dem teilgedeckten britischen Pfund hinterlegt. Zwischen den zwei Weltkriegen gab es also keinen einheitlichen Goldstandard mehr. Vielmehr herrschte ein Pseudo-Goldstandard. Die Geldsysteme waren relativ instabil. In den 20er Jahren gab es eine massive Kreditexpansion. Menschen verschuldeten sich und Banken vergaben leichtfertig riskante Kredite. Diese Entwicklung mündete im Jahr 1929 in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise, der Großen Depression. Und wie es so oft in der Geschichte war, versuchte man die Engpässe mit einer Ausweitung der Geldmenge zu beseitigen: Anfang der 30er Jahre lösten sich die meisten Staaten vom Goldstandard. Lediglich einige Staaten, darunter die USA und die Schweiz, hielten weiterhin am Goldstandard fest, auch wenn die USA im Jahr 1933 den Goldstandard vor allem durch zwei Gesetze manipulierten: Zum einen verboten die USA den privaten Besitz von Gold, um dieses aus dem Geldumlauf zu ziehen und somit ihre Kontrolle über die Geldmenge zu erhöhen. Zum andern werteten die USA den US-Dollar gegenüber Gold ab, indem sie den Goldpreis von 20,67 US-Dollar schlagartig auf 35 US-Dollar je Feinunze erhöhte. Die Menschen erlitten dadurch einen Kaufkraftverlust von rund 40%.


Während des zweiten Weltkrieges liefen die Druckerpressen der Notenbanken wieder auf Hochtouren, um die gewaltigen Kriegskosten finanzieren zu können. Nach dem Krieg wurde das internationale Währungssystem neu geordnet. Da man sich der Vorteile des ehemaligen Goldstandards bewusst war (Hinterlegung des verwendeten Geldes mit realen (knappen) Werten), kehrte man zu einem Pseudo-Goldstandard zurück. In dem sogenannten Bretton-Woods-System wurde nun der US-Dollar aufgrund der Vormachtstellung der USA in der Welt zur Weltleitwährung erklärt. Dabei wurde der US-Dollar mit einem Tauschverhältnis von 35 US-Dollar je Feinunze Gold an die knappe Ressource gebunden. Alle anderen Währungen wurden wiederum zu einem festen Wechselkurs an den US-Dollar gebunden (siehe nachfolgende Abbildung). Die USA waren der Hauptnutznießer dieses neuen internationalen Währungssystems, was es ihnen ermöglichte, ihre politische und wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt weiter auszubauen. Der größte Teil des weltweiten Goldbestands wurde in den USA gelagert und die USA gaben im Austausch für das Gold US-Dollar an die Zentralbanken der Mitgliedstaaten des Bretton-Woods-Systems aus. Allerdings hielten sich die USA nicht an das Versprechen, für eine Feinunze Gold nur 35 US-Dollar auszugeben. Wie es in der Geschichte zuvor immer war, versuchten auch die USA finanzielle Engpässe durch die Ausweitung der Geldmenge zu lösen. Vor allem in den 60er Jahren, als die USA in den Vietnamkrieg eintraten, standen sie vor enormen finanziellen Herausforderungen. Die einzige Möglichkeit, die hohen Kriegsausgaben finanzieren zu können, bestand darin, neues Geld zu schaffen. Die USA produzierten also deutlich mehr US-Dollar als es Gold in ihren Tresoren gab. Damit senkten sie den Wert bzw. die Kaufkraft des US-Dollars für alle anderen Mitgliedstaaten ab (siehe vorheriges Rechenbeispiel). Die USA waren in der Lage, die Folgen der Geldmengenausweitung, nämlich die Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus (Inflation), zu einem gewissen Grad auch ins Ausland zu exportieren. Die Mitgliedstaaten des Bretton-Woods-Systems, insbesondere Frankreich, bemerkten die Vorgehensweise der USA und forderten zunehmend ihr in den USA eingelagertes Gold zurück. Das Vertrauen in den US-Dollar war beeinträchtigt. Die Goldabflüsse aus den USA nahmen zu, was die USA weiter unter Druck setzten. Am 15. August 1971 fand das Bretton-Woods-System durch den sogenannten Nixon-Schock ein Ende. In einer Fernsehansprache verkündete der damalige US-Präsident Richard Nixon:


"... Ich habe Finanzminister Connally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollar in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen ...".


Dieser "vorübergehende" Zustand dauert bis heute an. Seit 1971 leben wir in einem globalen Fiatgeld-Standard, in dem das Geld, welches wir verwenden, durch keinerlei reale knappe Güter gedeckt ist. In diesem Fiatgeld-Standard stellt der US-Dollar nach wie vor aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Dominanz der USA die Weltleitwährung dar. Das Wort "fiat" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "es gesehe" oder "es werde". Es werde Geld. Erstmals in der Geschichte der Menschheit können einige zentrale Akteure per Knopfdruck Geld aus dem Nichts erschaffen, Geld ohne jeglichen Gegenwert.


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Befürworter des Fiatgeld-Systems argumentieren, dass dem Geld Wirtschaftsleistung gegenübersteht und somit das Geldsystem in gewisser Weise durch wirtschaftliche Leistung gedeckt sei. Sie vernachlässigen jedoch, dass sich Geldmengen- und Wirtschaftswachstum nicht gleichmäßig entwickeln. Die globale Geldmenge wurde seit Ende des Bretton-Woods-Systems deutlich schneller ausgeweitet als es reales Wirtschaftswachstum gab. Beispielsweise wurde allein in den letzten vier Jahren (seit der Corona-Pandemie) die US-Dollar-Menge um mehr als ein Drittel erhöht (Quelle: Federal Reserve Bank). Die Folgen des Fiatgeld-Standards sind verheerend. Von Jahr zu Jahr steigt das allgemeine Preisniveau. Seit 1971 konnte nur im Jahr 1986 eine minimal negative Inflationsrate von -0,1% gemessen werden (Quelle: Statistisches Bundesamt). Ansonsten ist das allgemeine Preisniveau in jedem Jahr gestiegen. Weiterhin haben Wirtschaftskrisen zugenommen. Zudem wird die Schere zwischen arm und reich immer größer. Übermäßige Produktion und exzessiver Konsum führen außerdem zu massiven Umweltbelastungen.


In dem zweiten Teil dieser Beitragsreihe zu der Frage "Was ist Bitcoin?" werden das heutige Fiatgeld-System und die Probleme, die es mit sich bringt, näher beleuchtet, bevor in Teil 3 auf die mögliche Rückkehr zu gutem Geld in Form von Bitcoin eingegangen wird.


Dieser Beitrag sollte aufzeigen, wo unser Geld eigentlich herkommt bzw. dass Geld aus unserer Gesellschaft heraus in einem freien Markt entstanden ist. Ursprünglich wurden seltene Waren von den Menschen als Geld deklariert. Um Transaktionen zu vereinfachen, wurden mit zunehmendem internationalen Handel nicht mehr die Waren selbst, sondern auf die Waren ausgestellte Zertifikate miteinander ausgetauscht. Aus den Zertifikaten wurde Papiergeld und mit der Zeit haben Staaten den Bezug zwischen dem Papiergeld und der hinterlegten Ware immer weiter aufgelöst. Während beispielsweise auf einem früheren US-Dollar-Schein noch geschrieben stand, dass es sich um einen Belegschein handelt, welcher bescheinigt, dass in der Staatskasse der USA der Gegenwert des Scheins in entsprechenden Goldmünzen hinterlegt ist, die auf Verlangen an den Inhaber des Scheins zu zahlen sind, steht heute auf den US-Dollar-Scheinen lediglich "Diese Banknote ist gesetzliches Zahlungsmittel für alle öffentlichen und privaten Schulden." und "In God we trust.". Während Geld früher also einen echten Wert in Form einer knappen Ware, z. B. Gold, hatte, basiert unser Geld heute auf dem "Vertrauen in Gott" bzw. zumindest auf dem Vertrauen in den Staat. Die Geschichte zeigt leider, dass dieses Vertrauen immer wieder durch den Staat in Form von Geldmengenausweitung und anschließender Inflation gebrochen wurde. Unser heutiges Fiatgeld-System treibt die Manipulation des Geldes auf die Spitze. Henry Ford, einer der einflussreichsten Unternehmer des 20. Jahrhunderts, sagte hierzu einst: "Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh."

Die zunehmende Digitalisierung und die Bestrebungen von Regierungen, digitales Zentralbankgeld einzuführen sowie Bargeld abzuschaffen, stellen eine große Gefahr dar, weil es zentralen Machteliten noch mehr Kontrolle über uns Menschen sowie noch mehr Manipulationsmöglichkeiten des Geldes geben würde. Anstelle des digitalen Zentralbankgeldes, welches uns einen weiteren Schritt in Richtung der von George Orwell im Roman "1984" beschriebenen Dystopie führen würde, könnte aber auch ein durch die Mathematik limitiertes, dezentrales, also freies und von niemandem kontrolliertes Geld unser aktuelles Geldsystem ablösen. Die Geschichte des Geldes ist in der nachfolgenden Abbildung noch einmal zusammenfassend dargestellt. Sehr detailliert und gut nachvollziehbar beschrieben wird die Geldgeschichte in dem Buch "Der Bitcoin Standard - Die dezentrale Alternative zum Zentralbankensystem" von Saifedean Ammous.


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